Bedeutende Frauen Teil 2

Bedeutende Frauen Teil 2

Die erste bedeutende Lüneburgerin war ja nicht schwer zu erraten und sicher vielen unter uns auch noch persönlich bekannt. Es war Brigitte Hasenclever, Schulleiterin der Wilhelm-Raabe-Schule. Sie hatte durch ihre Tätigkeit eine große soziale Bedeutung für die Stadt Lüneburg.

Jetzt wollen wir es mal ein wenig schwieriger machen, aber nicht weniger interessant. Unsere heute beschriebene bedeutende Lüneburgerin hatte eine große politische Bedeutung für die Stadt Lüneburg. Auf dem Weg zum Liebesgrund, in der Egersdorffstraße, befindet sich seit 1913 ein Denkmal für sie. Auch eine Lüneburger Straße wurde nach ihr benannt.

Wir gehen also in der Zeit etwas zurück ins Jahr 1793, als unsere Heldin als zweite Tochter eines Salzsieders geboren wurde. Ihre Mutter musste nach dem frühen Tod ihres Mannes allein für die Familie sorgen. Da das schmale Witwengehalt nicht ausreichte, betrieb einen kleinen Obsthandel und unsere Heldin musste schon sehr früh als Dienstmädchen arbeiten. Dabei wohnte sie im Haus ihrer Dienstherrin in der Straße, von der die nach ihr benannte Straße abzweigt.

Mädchen aus einfachen Verhältnissen hatten im 19. Jahrhundert keine Aussichten auf einen gute Schul- oder Berufsausbildung. Sie mussten sich als Magd, Stubenmädchen oder Kinderfrau verdient machen, gehörten in enger Verbindung zu  einem Haushalt dazu und wurden dort ernährt und gekleidet. Der Umgang mit ihnen wurde in einer Gesindeordnung geregelt und die Chancen, aus diesem Abhängigkeitsverhältnis zu entkommen, waren sehr gering. Lediglich eine Heirat konnte ihnen die Möglichkeit geben, ein selbstständiges Leben zu führen. Doch ein gesellschaftlicher Aufstieg gelang durch die moralischen Barrieren nur selten.

So muss unsere Lüneburgerin 1813 zur Zeit der Befreiungskriege zwischen den Truppen des napoleonischen Frankreichs und den Preußen auch die politischen Diskussionen und Erregung über die Kriegsvorgänge in ihrem Haushalt  mitbekommen haben. Lüneburg war seit 1803 von den Franzosen besetzt. Die 1812 beginnenden Freiheitsbestrebungen breiteten sich über die besetzten Gebiete in Mitteleuropa aus und so auch über Lüneburg.

Sicher geprägt von Abenteuerlust, Draufgängertum und auch Vaterlandsliebe, ganz untypisch und ungebührlich für eine Frau der damaligen  Zeit und absolut nicht nachahmenswert, wird nun unserer Heldin der Sieg der preußischen und kosakischen Truppen über die Franzosen an diesem 2. April 1813 zugeschrieben. Ihre Spontaneität und ihr Mut waren charakteristisch für die Stimmung, die damals in der Bevölkerung herrschte. So hatte sie sich nicht durch eine typisch weibliche Hilfestellung ausgezeichnet, sondern war das ausschlaggebende Element an der vordersten Front.

Die Franzosen eroberten zwar die Stadt am nächsten Tag schon zurück, gaben sich aber im September 1813 dann definitiv geschlagen.

Die Geschichte, was nun genau geschehen ist, wird sehr unterschiedlich erzählt, von enthusiastisch hin zu sachlicheren Schilderungen liegen verschiedene Versionen vor.  Sie muss, vom Kriegsgeschehen auf den Kalkberg angelockt, beobachtet haben, dass den Preußen die Munition ausging und somit die Niederlage drohte. So sammelte sie in ihrer Schürze Patronen zusammen, die sie im Straßengraben fand und brachte sie mutig zu den preußischen Füsilieren an die vorderste Linie. Woher diese Patronen stammen, wird wieder unterschiedlich gedeutet, ob von einem umgestürzten Wagen oder von den Franzosen auf der Flucht weggeworfen. Jedoch verhalf diese couragierte Tat dazu, den Franzosen Lüneburg für einen Tag abzunehmen.

Da ihr entscheidendes Eingreifen in die Schlacht bekannt wurde, musste sie sich vor den Franzosen in den darauffolgenden Monaten verstecken und war eine Zeitlang auf der Flucht. Am 22. September wurde sie aber nach dem endgültigen Rückzug der Franzosen zu einem öffentlichen Essen eingeladen, bei dem sie Major von Reiche kennenlernte, der sie schließlich in seinen Dienst stellte und mit nach Berlin nahm. Aufgrund ihrer Tat genoss sie eine besondere Stellung und lernte im Sommer 1814 ihren zukünftigen Mann, den Feldwebel Wilhelm Hindersin, kennen. Sie heirateten 1817 und sie bekamen vier Kinder. Das Leben unsere Heldin verlief seitdem im Allgemeinen ruhig bis zu ihrem Tod 1842 nach langer Krankheit.

Ihr wurde 1908 in Berlin auf dem Sophienfriedhof ein Denkmal gesetzt, bei dem auch der Lüneburger Oberbürgermeister König einen Lorbeerkranz für sie niederlegte. Dabei gab er bekannt, dass auch Lüneburg ein Ehrendenkmal für sie errichtet werden würde. Und dieses Denkmal steht bis heute noch auf dem Weg zum Liebesgrund.

Dieses Portrait ist erstellt worden mit Hilfe der Diplomarbeit von Constanze Sörensen: Biographien Lüneburger Frauen. Politische Bedeutung von Frauen. Lüneburg, 2005

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