Eine Lüneburger Journalistin und Schriftstellerin

Eine Lüneburger Journalistin und Schriftstellerin

Haben sie schon einmal einen Spaziergang auf den Kalkberg gemacht? Wenn nicht, dann sollten Sie das unbedingt einmal machen (soll es doch so manchen Lüneburger geben, der dort noch nie war). Hier haben Sie nicht nur eine sensationell schöne Sicht auf ganz Lüneburg, sondern kommen sicher auch von der „Neuetorstraße“ über den „Schlöbckeweg“ dort hin, bevor der Aufstieg beginnt. Und in diesem Schlöbckeweg (benannt nach Baurat Eduard Schlöbcke, der durchsetzte, dass der Rest des Kalkbergs 1932 eines der ersten (!) Naturschutzgebiete Deutschlands wurde) ist das Haus, das nach unserer gesuchten Lüneburgerin der letzten Woche, nach Emmy Sprengel benannt wurde. Emmy Sprengel hat 1925 als ehemalige Schülerin und Lehrerin auch den „Bund der Ehemaligen der Wilhelm-Raabe-Schule“ mitbegründet.

Wo wir gerade bei unserem Spaziergang sind, Sie sollten unbedingt über die Grapengießer Straße in die Altstadt gehen. In dem ehemaligen großen Bekleidungsgeschäft, das jetzt umgezogen ist, fällt ohne Dekoration deutlich die wunderschöne Tür auf, die ursprünglich zum Haus von Marie Gravenhorst gehörte. Zwar wurde leider das komplette Untergeschoss dem Geschäftsumbau geopfert, die Tür jedoch blieb in ihrem ursprünglichen Zustand in einem Schaufenster erhalten.

Doch kommen wir zu unserer heute gesuchten Lüneburgerin. Geboren 1880 in Berlin als Tochter eines Offiziers begann sie ihre literarische Karriere in Lüneburg, wo sie als Journalistin arbeitete. Lüneburg war für sie eine Etappe auf dem für eine Frau ungewöhnlichen Weg zur Schriftstellerin, denn ihren großen Erfolg hatte sie mit einer Romantrilogie über die Insel Sylt und ihre Einwohner.

Bis dahin führte sie ihr Weg jedoch noch über mehrere Etappen. In Danzig, wohin die Mutter mit der Familie nach dem Tod des Vaters gezogen war, begann unsere gesuchte Lüneburgerin im Westpreußischen Provinzialmuseum als Grafikerin zu arbeiten. Mit ihrer Freundin Helene Varges, mit der sie ihr Leben lang eng verbunden war und die sie überhaupt zur Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit ermutigt hatte, ging sie schließlich an die Nordsee. In Emden und auf Juist erstellten sie gemeinsam wissenschaftliche Zeichnungen für das Biologische Institut. Nach Ende dieses Auftrags gingen sie beide nach Lüneburg.

In Lüneburg begann sie dann als Journalistin mit dem Schreiben für die „Lüneburgschen Anzeigen“. Das war schon recht ungewöhnlich für eine Frau. Durch ihre Arbeit hatte sie recht schnell viele Freunde und Bekannte in der Stadt und entschied sich definitiv für die Schriftstellerei. 1919 veröffentlichte sie ihren ersten Roman in Lüneburg.

Es zog die Freundinnen jedoch beide wieder an die Nordsee. Auf Sylt fand sie die Natur und das Leben, die sie zu ihrer großen Trilogie inspirieren sollten. Die Bücher „Der Sylter Hahn“ (1925), „Moiken Peter Ohm“ (1926) und „Dammbau“ (1930), die einen Zeitraum von drei Jahrhunderten umfassen, wurden von den Syltern selber als wahrheitsgemäß und real akzeptiert. Die sachliche Darstellung ohne viele Schnörkel und Umschweife nennt die Dinge beim Namen und ist knapp und anschaulich. Die für eine Frau recht burschikose und klare Sprache ließ ihre Bücher zu zeitlosen Klassikern werden.

Da das Klima der Insel unserer gesuchten Schriftstellerin nicht bekam, machte sie sich 1928 ohne ihre Freundin auf die Suche nach einem geeigneten Platz zum Leben und Arbeiten. Ihr Weg ging jetzt über Thüringen, Oldenburg und Erfurt zurück zu Ihrem Geburtsort Berlin. Dort im zweiten Weltkrieg ausgebombt, suchte sie mit der Familie ihres Bruders Zuflucht in Böhmen und flüchtete anschließend nach Oberbayern. Ihre lange Suche nach einem für sie geeigneten Ort beendete die ruhelose Schriftstellerin in Lüneburg, wo sie schließlich als 66-jährige 1946 an einem Herzinfarkt starb.

Neben den Sylter Geschichten veröffentlichte sie noch über zehn Romane, die meistens von ihrer lebenslangen Freundin Helene illustriert wurden. Keiner wurde jedoch so berühmt wie ihre Sylt-Trilogie.

Dieses Portrait ist erstellt worden mit Hilfe der Diplomarbeit von Constanze Sörensen: Biographien Lüneburger Frauen. Kulturelle Bedeutung von Frauen. Lüneburg, 2005

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