Elke Koops: Ein offener Geist findet (s)einen Weg

Elke Koops: Ein offener Geist findet (s)einen Weg

In meiner grasgrünen Küche unterhalte ich mich heute mit Elke Koops. Sie beweist, dass in jedem Menschen ungeahnte Talente schlummern, die durch eine offene Haltung, eine Portion Neugier und Mut geweckt werden können.

Bis sie sich mit Ihrem Konzertbüro 2009 selbstständig macht, kann sie auf ein abwechslungsreiches Leben zurückblicken.

Eine Quereinsteigerin ist sie, die den Mut hatte, geebnete Wege zu verlassen, um neue Ufer anzusteuern. Und auch heute noch baut sie auf ihr Bauchgefühl, folgt keiner Mode oder Verkaufscharts, um mit ihren Künstlern und Konzerten erfolgreich zu sein. Ihr Leben und Wirken ist so bunt, dass es nicht in 500 Worten darzustellen ist. Es wird dieses Mal also ein etwas längeres Portrait.

Angefangen hat alles mit einem Lehramtsstudium für Deutsch und Geschichte an der Pädagogischen  Hochschule (PH) Lüneburg. Doch das Referendariat hätte die junge Mutter von inzwischen zwei Töchtern zu weit von der Familie weg geführt. So entschied sie sich,

– Wegesänderung 1-

auch um den schlechten Berufsaussichten durch die damaligen Lehrerschwemme zu entgehen, lieber ein Diplom in Erziehungswissenschaften zu machen. Es folgten sechs Jahre mehr oder weniger abwechslungsreicher Tätigkeiten an der PH, die sie durch einen Nebenjob als Reiseleiterin etwas aufpeppte.  Was kann man danach interessantes machen, wenn einen die Hochschule nicht mehr weiter beschäftigen kann? Warum nicht Bücher verkaufen? Der Deutsche Sportbund kam da genau richtig.

– Wegesänderung 2 –

Sie entdeckte ihr Talent, gut verkaufen zu können und hatte viel Spaß daran. Doch das sollte nicht ihr immerwährender und letzter Job sein.

Das Hotel Bergström wurde gebaut und brauchte gute Leute. Warum also nicht gleich an höchster Stelle vorsprechen und…Bücher verkaufen wollen? Nach unzähligen Telefonaten und ewig erscheinendem Nachhaken bekam sie tatsächlich einen Termin bei Hennig Claassen persönlich … und ging als stellvertretende Hotelmanagerin aus dem Gespräch wieder raus. Marketing beherrscht das Naturtalent also, was sie beim Aufbau der Marketingabteilung weiter unter Beweis stellte.

– Wegesänderung 3 –

Ein Wechsel in die Marketingabteilung der Seminaris Zentrale ist da ja fast kaum erwähnenswert. Verlockend war neben der leitenden Position unter anderem die Bereitstellung einer schönen Wohnung in der Heiligengeiststraße über der „Krone“, die ihr gerade recht kam.

Kleines Intermezzo nach einem Jahr: das mündliche Angebot durch den unseriösen  Besitzer einer Werbeagentur, eine Agentur in Erfurth aufzubauen, Kündigung also im Seminaris, da sie das Angebot reizte und ..ein geplatztes Projekt. Noch heute ist sie dem Geschäftsführer des Seminaris dankbar, dass er sie auf der Stelle wieder einstellte.

–  Wegesänderung zum Glück verhindert  –

Aber eine weitere Wegesänderung kündigt sich an, im Gospelchor Lüneburg. Als begeisterte Sängerin lernt sie auf einer Konzertreise den Jazz- und Popsänger Ken Norris, Stargast des Chors, besser kennen …und vermittelt ihn durch ihre guten Kontakte weiter, so nebenbei. Erstes großes gemeinsames Projekt war 2008 das Konzert „In the Spirit of Christmas“ im Kleinen Saal der Laeizshalle. Eine bis heute dauernde Zusammenarbeit beginnt, die mit weiteren Künstlern, die sie wieder durch gute Bekannte kennenlernt und die eine Agentin brauchen, sie schließlich mit 60 Jahren in die Selbstständigkeit führt.

– Wegesänderung 4 –

Und da sind wir nun, beim Konzertbüro Elke Koops (KEK). Nächstes verrücktes Projekt zusammen mit Eggo Fuhrmann, dem Leiter des Gospelchors Lüneburg, das Golden Gate Quartet nach Lüneburg in die Nicolaikirche holen. Ohne einen Cent Budget zu haben. Der Haken: das Golden Gate Quartet will seine Gage VOR dem Auftritt, Unterkunft, Flüge und Limousine gestellt bekommen. Nochmals einen Kniefall vor ihrem Betreuer der Sparkasse, der einen Kredit bereitstellte, falls nicht genug für die Gage und Unkosten zusammenkommen würde. Und einen Kuss durch die Luft an ein Autohaus in Uelzen, das eine Limousine für diese Tage zur Verfügung stellte. Es hat funktioniert!

Heute gehören auch die Old Merrytale Jazzband, Canadian Brass aus Toronto, Dilian Kushev mit seinen Ensembles und viele andere zu ihrem Repertoire an Musikern. Nicht zu vergessen das Lüneburger Musikfestival, welches sie dieses Jahr das erste Mal betreut hat.

Ach ja, noch etwas an Rande, sie betreut seit 32 Jahren das Colorado College Programm, bei dem Studierende aus Colorado für 5 Monate nach Lüneburg kommen und studieren. Habe ich erwähnt, dass sie dort auch so nebenbei Deutsch unterrichtet hat? Hätte ich fast vergessen.

– Wegesänderung 5? –

Kann jeden Tag passieren, wenn ihr wieder eine neue Idee in den Sinn kommt. Abwarten. Vielleicht mal was schreiben.

Ihr Traum:

Ein altes großes Fachwerkhaus möchte sie kaufen und dort ein Künstlerzentrum errichten. Sie möchte Musikern die Gelegenheit bieten, an ihren Auftritten zu  feilen, Schriftstellern, Malern und anderen Künstlern ein zeitbegrenztes Refugium zum kreativen Rückzug zur Verfügung stellen.

Nach Afrika wollte sie und dort aktiv helfen schon von Kindheit an. Naja, sie hat so eben nebenbei zwei Jahre lang bei der VHS eine Weiterbildung zur Gesundheitsberaterin dafür gemacht und war in Ghana, allerdings privat und hat dort in einer Familie gelebt.

Aber weitere Afrikapläne haben sich ja – erstmal – zerschlagen durch ihre Agentur. Andererseits es gibt viele fantastische Afrikanische Künstler, die sie schon kennt. Abwarten.

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