Sten Nadolny: „Die Entdeckung der Langsamkeit“

Sten Nadolny: „Die Entdeckung der Langsamkeit“

Sten Nadolny beschreibt in seinem Roman das Leben des Seefahrers John Franklin, der mehrere Polarexpeditionen unternahm und von seiner letzten Expedition zur Erforschung der Nordwestpassage, der Verbindung zwischen Anlatik und Pazifik, nicht zurückkehrte. Nadolnys „Biografie“ ist nicht authentisch, da Franklin vermutlich nicht so langsam und den modernen Idealen verpflichtet war wie Nadolny ihn darstellt.

Nadolny untersucht in seinem Roman philosophisch die Tatsache, dass jeder Mensch seine eigene Geschwindigkeit in seinen Bewegungen, seinen Wahrnehmungen und in seinem Denken hat – und dass jede wie auch immer geartete Geschwindigkeit richtig und gut ist. Sein Held John Franklin ist ein langsamer, bedächtiger Mensch, der sehr oft für die Langsamkeit seiner Bewegungen und seines Denkens gehänselt wurde – bis sich herausstellt, dass genau diese Langsamkeit seine ganz große Stärke ist.

Die ungemein differenzierte Sprache und die liebevolle Skizzierung seines Hauptcharakters  machen diesen Roman zu einem echten Meisterwerk. Nadolny untersucht mit Hilfe dieseer Biografie die Hektik der modernen Zeit, kritisiert sie subtil und stellt überzeugend dar, dass auch eine langsamere Gangart ihre Berechtigung hat.

…ein unbedingtes Muss für alle, die sich gerne mit philosophischen Fragen beschäftigen und das heutige Lebenstempo als fragwürdig empfinden.

 

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